toernberichte

2006(1) - Die Algarve entlang bis zum Rio Guadiana

Mitte Juni 2006 ist es endlich wieder so weit. Mit riesigen Mengen von Gepäck und Sportgepäck fliegen wir ein letztes Mal nach Portugal, um mit unserer Gemma „unseren“ ersten Meilenstein zu setzen. Wir wollen die Reise ins Mittelmeer beginnen. Doch vor dem spannenden Vergnügen stehen wieder einige Arbeiten an, die uns fordern und tatsächlich weiterbringen. Unser erstes kleines Ziel ist es die Yacht ins Wasser zu bringen, auf dem Trockenen segelt es sich soo schlecht. Der Travellift hievt uns wieder ins Wasser, welches Wunder ... unser Schiff schwimmt! Gemma wird innen und aussen vom Winterschmutz gereinigt, alle Schapps gelüftet und wieder gefüllt (vornehmlich mit Lukullischem und Nautischem). Es wird frische Bettwäsche aufgezogen, Segeltuch angeschlagen, anschließend werden Relingsrollen montiert, Impeller gewechselt, Inspektionsdeckel ausgetauscht, Wassertank desifiziert, geradelt, gebadet, und ultrawichtig – die nächste Kneipe ausgesucht – es ist AUSNAHMEZUSTAND. Deutschland ist im WM-Fieber !!!! – Mein Gott, was machen wir nur in ... Portugal???

Törnbilder

Gar nicht so schlecht, wir lassen uns in der Eisdiele in Portimao einen schönen Eiscafé zum Fußballspiel servieren. Das hat was. Die Geschäftsführerein ist sichtlich angetan von ihren deutschen Gästen, kramt ein paar Brocken Deutsch hervor und tänzelt zwischen ihren üblichen Stammgästinnen (boulevardpresse-lesende Häkeljäckchen-Tanten mit Gleitsichtgläsern und rotlackierten Fingernägeln) und unserem Tischchen hin und her ohne den Bildschirm aus den Augen zu lassen. Eine volle Woche sind wir mit den Arbeiten im und am Schiff beschäftigt, schließlich soll Gemma noch ihren alten türkischen Teppich loswerden – sie bekommt einen schönen wasserfarbenen, türkisen, neuen Teppich, handgeschnitten im Schweisse unseres Angesichts, „käptns-cut“ sozusagen.. Nur unterbrochen von einem tollen Match Deutschland-Schweden (in Ferragudo bei „O Silva“ mit Lamb-Chops, hmmm), Strandbesuch, Lidl-Großeinkauf und Segellattenkauf beenden wir unsere Rüstzeit und brechen auf nach ALVOR, um dort in der Lagune einige Tage zu ankern. ALVOR ist ein kleiner Ort am Ende einer wunderschönen Lagune mit marschigen Zonen, hier ist eine sehr interessante und ökologisch wertvolle Landschaft durch das Trockenfallen verschiedener Lagunenbereiche entstanden. Wir wandern durch Dünen und nähen Segel. A propos, habt Ihr schon mal Fußball in einer Caipirinha - Reggae – Bar geguckt? Toll!

Anker auf – nach Albufeira. Wieder ist es sehr wichtig die geeignete Location für den Fußballabend zu finden. Warum nicht eine deutsche Kneipe ausprobieren ? Die Bedienungsmädels waren allerdings waschechte Engländerinnen!

Von Albufeira aus segeln wir unter Parasailor-Spinnaker in die Lagune von Faro und Olhao und ankern vor Ponte Cais und der Insel Culatra. Eine traumhafte Lagunenlandschaft empfängt uns mit richtigen, echten Störchen, die 2 Meter vor unserer Bugspitze in Augenhöhe vorübergleiten. Muschelbauern bestellen hier ihr „Feld“, das alle 6 Stunden nur sichtbar wird. Danach ist es wieder für 6 Stunden von Meerwasser überspült. Sehr oft setzen wir mit dem Dinghi von unserem Ankerplatz über nach Culatra, um die Dünen- und Lagunenlandschaft zu durchwandern und bis zur Meerseite hinüberzulaufen, den Duft der salzigen Landschaft in unsre Lungen einzusaugen. Wir fahren per Fähre nach Olhao hinein und geniessen die Markthallen mit ihren Köstlichkeiten. Herrlichstes Gemüse und top-frischen Fisch gibt es hier, das Städchen bietet nette Gassen zum Flanieren und Shoppen. Wir verbringen hier also einige Tage vor Anker, der Wind frischt schon ziemlich auf- 25 Knoten sind nicht selten- und da passiert es. Ein unachtsamer deutscher Skipper verlässt sein Schiff und es treibt unbemannt auf unsere Gemma drauf! Es rumpelt und kracht – der Schock ist groß. Der Anker der fremden Yacht (sie heisst „Alegria“, also „Freude“) hat nicht gehalten. Über 30 Minuten versuchen wir die fremde Yacht an unserer Backbordseite zu stabilisieren, stopfen alle Fender mühsamst zwischen die Schiffsrümpfe und kämpfen mit zitternden Knien, um größere Schäden abzuwenden. Wir können das fremde Schiff doch nicht auf die Reise schicken!? Doch wenn es uns mit sich reisst, die fremde Ankerkette liegt über unserer Kette!? Was sollen wir noch tun???? Schnell den Windgenerator aus, der bei 25 Knoten Wind wie der Teufel rast. Die Wanten der Alegria kommen den messerscharfen, rotierenden Flügelblättern des Windgenerators gefährlich nahe! Nach einer bangen ½ Stunde tuckert ein Dinghi heran, der Eigner mit Crew! Ausser ein paar Lackschäden haben wir nur ein ganzes Büschel grauer Haare bekommen! Welch` Freude! Alegria!

2 Tage später freuen wir uns schon wieder auf ein Fußballspiel: Deutschland ./. Italien, doch wir können unsere Gemma nicht verlassen, der Wind legt schon wieder zu und das Meer ist recht wellig. Für unser kleines Dinghi wäre es gerade noch zu schaffen, doch wir wären sicher pitschnaß nach einer Überfahrt zur Landzunge, wo uns in Ponte Cais die Kneipe mit Fernsehapparat erwarten würde. Wir haben uns doch mit „Kujambe“ verabredet. Bei Tageslicht ist es schon etwas riskant, doch nachts zurück? Wir entscheiden, daß es selbst mit angelegter Rettungsweste verantwortungslos wäre bei Nacht und diesen Windstärken zu versuchen mit unserem knallroten Gummiboot unser Schiff wieder zu erreichen. Also hören wir im Radio, daß Deutschland verliert - aus der Traum! Endlich entspanntes Segeln!

Von Ponte Cais in der Lagune von Faro und Olhau segeln wir nach Vila Real de Sto. Antonio, unserer letzten Station in Portugal, am Grenzfluß zwischen Portugal und Spanien: dem Rio Guadiana. Der Rio Guadiana ist uns in guter Erinnerung, vor 7 Jahren sind wir mit einem anderen Segelschiff hinauf bis Alcoutim und weiter bis zum Erzbergwerk. Eine herrliche Flußlandschaft mit den unterschiedlichsten Wasservögeln, oleander-gesäumten Flußarmen und...Ruhe! Diesmal haben wir andere Ziele vor Augen und leider keine Zeit für den schönen Fluß. Wir können ja schon Spanien sehen, dort - auf der gegenüberliegenden Flußseite.

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