toernberichte

2007(5) - Sardinien - Nordwestküste

Wir segeln in den Abend hinein, Menorca bleibt hinter uns im Dunst zurück. Jeder sucht sich ein bequemes Plätzchen und wir gehen wieder abwechselnd Wache. Jürgen hängt schon bald die Angel hinaus, vielleicht können wir uns ja die lange Segelstrecke mit leckerem frischen Fisch schmackhaft machen. Und tatsächlich, die Sonne ist gerade untergegangen und die Schnur saust über die Rolle Richtung Tiefe. Es ist wohl ein schwerer Brocken, Jürgen braucht viel Kraft, um den Fisch ans Schiff zu holen, er kurbelt und kurbelt. Gaff und Messer, sowie Arbeitshandschuhe liegen bereit, da taucht er auf - ein Thunfisch mit ca. 6 KG - ein respektabler Bursche, wir ziehen ihn auf unsere Badeplattform herauf und wollen ihn per Messer in den Fischhimmel befördern, da zuckt er und schlägt hin und her, als ob er mit seinem grossen Auge das nahende Messer gesehen hätte, er zuckt nocheinmal, da kommt die Angelschnur an die Klinge und der Bursche hüpft von der Gaff und verschwindet im Meer. Oh nein, die Enttäuschung ist so groß, aber auch das Mitleid für das Tier, ob er mit einem ausgerissenen Kiemendeckel weiter leben kann, oder ob ihn gleich ein großer Fisch frisst?

Wir segeln in die Nacht hinein, bei Wind aus S bis SW zwischen Windstärke 3 und 5 und manchmal stark gerefften Segeln legen wir 190 Seemeilen in 40 Stunden zurück und müssen davon nur insgesamt 18 Stunden unter Motor fahren. Uns begegnen nur ca. 10 Schiffe in dieser Zeit und wir haben 2 wunderbare Vollmondnächte! Am Morgen des 30. Augustes gegen 02.30h sehen wir neben den ersten Lichtern der sardischen Westküste auch einen glutroten Feuerball am Himmel, nein es ist wirklich nicht der Sonnenaufgang, was ist es dann? Geheimnisvoll und rätselhaft ist diese Erscheinung, die wir aus weiter Entfernung durch das Fernglas beobachten - es ist ein Waldbrand. Auch Sardinien bleibt davon nicht verschont! Ab jetzt müssen wir sogar ein bisschen den Speed reduzieren, sonst kommen wir noch vor dem Morgengrauen in Alghero an, das wär nicht gut.

Törnbilder

Um 8.15h legen wir ganz bequem am Stadtquai von Alghero an, werden von einem freundlichen Marinero mit "buon giorno" begrüßt und sind glücklich und müde, aber total überdreht! Wir frühstücken zuerst mit einem großen Caffè latte und spritzen das salzige Schiff ab, und kümmern uns ein bisschen um unsere Gemma, die brav den großen mediterranen Ozean überquert hat. Wir schiessen Leinen auf, räumen auf und machen einen Stadtbummel! Irgendwann klappen wir vor Müdigkeit zusammen und stolpern in unsere Koje - jetzt nur noch schlafen!

Als wir wieder aufwachen, lassen wir uns von Alghero bezaubern- die schöne Altstadt mit vielen Restaurants und Lädchen ist natürlich fast komplett auf uns Touristen abgestimmt, aber die Stadt macht einen sehr schönen Eindruck. Am Abend erwacht die Altstadt, Familien mit Kindern, Großtanten und Ur-Opas schieben sich durch die schmalen Gassen, ratschen, grüßen sich gegenseitig und schlecken Eis. Wir sind mitten drin und schnappen uns natürlich auch ein Gelati!

Nach 2 Nächten in Alghero segeln wir entlang der Westküste gen Norden und ankern eine Nacht in der Cala Trarmariglio. Am nächsten Morgen setzen wir die Segel, um durch die Fornelli-Passage im Norden Sardiniens (zwischen der Insel Asinara und der Insel Piana) zu kommen. Gleich hinter dieser spannenden Passage lassen wir unseren Anker in wunderschönes Türkis fallen und schwimmen eine Runde zur Erfrischung!

Bereits am nächsten Morgen verlassen wir den Ankerplatz und steuern Castelsardo an, denn es ist mal wieder Mistral angesagt. Schon von weitem erkennt man das über dem Ort thronende Castell! Ein Anruf über Funk im Hafen genügt und wir haben einen Platz (das Italienisch kommt mir noch etwas holprig über die Lippen - und noch dazu per Funk! Na ja, wird schon werden!). In Castelsardo sind unsere Tage angefüllt mit Wäschewaschen, Lebensmittel einkaufen, Fahrradfahren, Castell besichtigen, Eisessen, Wassertankfüllen und Mistral abwarten, denn der bläst ordentlich hier oben. Das Hafenbecken ist aber super geschützt und so merken wir selbst die 3 Meter hohen Wellen nicht, die draussen vor dem Hafen heranrollen. Nach 3 Nächten segeln wir weiter nach Porto Pollo, dem Surferparadies! Von früher kennen wir Porto Pollo sehr gut und bis auf einige neue Hotelanlagen ist alles unverändert. Diese Dünenlandschaft mit den marschigen Zonen ist einfach wunderschön. Wir ankern auch hier in der recht gut geschützen Bucht und Jürgen kommt endlich wieder zum Surfen! Der Wind pfeift ordentlich, aber erst ab 15 Knoten rentiert es sich aufzuriggen und aufs Brett zu steigen.

Nachdem uns in Porto Pollo langsam die frischen Lebensmittel ausgegangen sind, war es an der Zeit wieder einen Hafen anzusteuern. Spontan haben wir uns für Bonifacio entschieden. Bonifacio, das ist der Hafen mit der wahrscheinlich spektakulärsten Hafeneinfahrt im Mittelmeer. Man steuert auf eine 50 Meter hohe Felswand zu und erst wenn man kurz davor ist, öffnet sich wie durch Zauberhand der Fels und gibt die schmale Einfahrt frei. Drinnen im Hafen ist es dann super eng. Man braucht entweder ein Bugstrahlruder um an die inneren Liegeplätze zu kommen, oder man läßt sich vom Marinero mit dem Powerdinghy in die Box bugsieren.

Auch hier warten wir den Mistral ab - (ja, schon wieder Mistral) und treffen auf Gernot und Renate von der "MARLIN". Wir haben die beiden letzes Jahr nur kurz in Rota kennengelernt, sie haben uns damals Almerimar zur Überwinterung empfohlen. Auch dieses Jahr sind sie schon einen Schritt in der Planung weiter als wir und haben das Winterlager in Arbatax bereits gebucht. Wir haben Arbatax auch in Erwägung gezogen und nach zwei Mails haben wir dort unseren Winterliegeplatz nun auch fix reserviert. Doch vorher steht noch ausführliches Buchteln in Nordsardinien auf dem Programm.

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