toernberichte
2006(2) - Warten auf Gibraltar
Endlich Spanien, die neue Gastlandsflagge wird bald schon gegen die Portugiesische ausgetauscht.
Über Mazagon und Chipiona erreichen wir Rota in der großen Bucht von Cadiz. Für ganze 11 Tage werden wir hier eingeweht. Wir wollen sehr bald durch die Strasse von Gibraltar, doch der Wind kommt .... na? - ja aus Osten. Ja, er bläst und bläst unermüdlich aus dem Mittelmeer heraus, doch so ist das für einen Segler unserer Größe nicht zu schaffen. Wind force 6 to 7, increasing, easterly winds.... Wind, Welle und Strömung sind für Ozeanriesen, Gas-Tanker, Containerschiffe und Schnellfähren nur ein kleineres Hindernis, für uns sind es die einzig wichtigen Größen. Doch Rota hat was. Rota hat sogar sehr viel zu bieten: das Castillo de Luna, Konzerte, Flamencoabende, eine sagenhafte Eisdiele mit „Artesano“- Eis und Crêpes und Batida und Tapas und sehr schöne Lädchen, auch Schuhlädchen und Pastelerias...und Ferreterias.
Törnbilder
Oh, die tolle Fischhalle direkt an der Marina hat fast immer offen und gaaanz frischen Fisch und die lustigsten Verkäuferinnen. Wir verstehen ihren Scherz, ohne auch nur ein Wort zu verstehen und lachen uns kaputt. Wir waschen Wäsche, liegen faul unterm Sonnensegel, ratschen mit unseren schweizerischen und britischen und bayrischen Segel-Ostwind-Warte-Leidensgenossen, die bald zu Freunden werden. Alle wollen durch „die Strasse“, die einschlägigen Wetter-Internet-Seiten werden durchforstet (tolles, klimatisiertes Internetcafé in der städischen Bibliothek – kostenlos!), doch der „Windguru“, „DWD“ und Co. können auch nichts machen, es bleibt bei Ostwind. Also schnappen wir uns die Fähre und dann durchwandern wir die großartige Stadt Cadiz bei 40°C – vielmehr wir durchschleichen sie – nur ganz langsam bewegen! Doch die schmalen Gassen sind klug angelegt. Der Wind bläst durch die Sträßchen, mit Sonnensegel sind die engen Häuserschluchten überspannt und bieten etwas Schutz vor der gnadenlosen Sonne.
In einer knappen Stunde durchquert die Fähre die Bucht und wir sind wieder auf unserer Gemma. Abends leisten wir uns ein halbes Kilo Krabben-Scheren in der Fischhalle. Trotz Spezialbesteck (bestehend aus Hummerzange und Hummergabeln), welches wir an Bord haben, wird aus dem Gourmetessen eine leckere kleine Schweinerei. Das Cockpit muss hinterher dann einmal kräftig durchgespült werden.Unser Open-Air-Esszimmer ist schon sehr praktisch... Auch der beständigste Wind dreht einmal, man muß es nur abwarten können, nach 11 Tagen ist es soweit, wir brechen auf nach Barbate. Die „Va Pensiero“, unsere neuen Landsberger Bekannten wagen mit uns den Sprung, die Schweizer „Makai“ will in Kürze folgen. Schön ist es auf lockere Weise neue freundschaftliche Verbindungen zu knüpfen und wir geniessen auch das internationale Flair. In der kurzen Zeit haben wir liebe Dänen und Briten, herzliche Schweizer und hilfbereite bayrische Freunde für kürzere und längere Zeit gefunden – und alle schwimmen quasi auf gleicher Wellenlänge! Interessante und tiefsinnige, lustige und weinselige (oder port- und sherry-selige) Gespräche finden an Bord unserer Schiffe statt. Teilen und Mitteilen das macht Spaß. Und manchmal ist`s auch gut, daß man einfach „Anker auf“ gehen kann. Ein neuer Platz und neues Glück. Die Freiheit nehmen wir uns!
| < vorheriger Bericht | ^ zur Törnübersicht | nächster Bericht > |




