toernberichte
2008(3) - Rund Sardinien
Morgens um sieben starten wir unseren Motor und schleichen uns ganz leise aus der Porto-Liscia-Bucht. Unsere Freunde auf 3 Schiffen schlafen noch, als wir alleine zu unserer letzten großen Sommeretappe 2008 starten. Wir wollen entgegen dem Uhrzeigersinn Sardinien umrunden und der erste Schlag geht nach Castelsardo, im Norden Sardiniens. Der Ort klebt förmlich am dunklen Felshang. Die fröhlich bunten Häuser leuchten in der Nachmittagssonne, als wir nach 8 1/2 h Stunden im Hafen von Castelsardo festmachen. Schon im letzten Jahr haben wir den Ort kennengelernt und natürlich packen wir auch dieses Jahr wieder unsere Radl aus und erklimmen den steilen Burgberg. Nach sooo vielen Wochen fern der Heimat müssen unsere beiden Salzwasser-Köpfe endlich mal zum Friseur und es wird ein sehr lustiger Ausflug. Der Salon ist alsbald gefunden, der Parucchiere und seine rassige Assistentin machen einen sehr kompetenten Eindruck. Wir erklären auf italienisch, wie wir uns das mit dem Haareschneiden so vorstellen und dann wird gewaschen und geschnibbelt und wieder gewaschen. Das Glätteisen wird rausgezogen, meine Locken werden geglättet und Jürgens Haar nach dem Rasieren gegelt. Zum Schluß bekommen wir noch Gelee-Bonbons. Finito. 2 Köpfe kosten 37 € - mit 1a-Schnitt und reichlich Lokalcolorit! Toll! Jetzt gibt die Bordkasse natürlich auch noch ein Gelati aus.
Törnbilder
Nachdem wir in Castelsardo Besuch von Jürgen`s Kollegen mit Familie hatten und alle Lebensmittelvorräte aufgefüllt haben, steuern wir die Fornelli-Passage bei der Insel Asinara an. Lange Zeit war die Insel eine Gefängnisinsel für die bösen Buben der Mafia und Camorra, auch den Priester aus Donna Leon`s Krimi hat es hierher verschlagen, doch schon vor einigen Jahren wurde die Insel wieder der Natur zurückgegeben und ist jetzt Nationalpark. An der Passage ankern wir, Jürgen erwischt mit seiner Angel einen Dolphin-Fisch und kann 2 Tage lang wieder surfen. Was will man mehr? Guten Wind, um auf die Westseite zu gelangen. Mehr wünschen wir uns nicht! Nachts erwischt uns der Scirocco, ein gemeiner, starker Südwind, der roten Sand im Gepäck hat. Alle Wanten, Fallen und Schoten, das Bimini (Sonnendach), das Zipp-Bag (Persenning für das Groß-Segel), alles, wirklich alles ist dick mit rotem, mehlartigem Sand überzogen. Noch gemeiner wird`s, wenn es dazu ein paar Tropfen regnet, denn dann hast du nämlich auch rote Soße an Deck. Danke! Es ist soweit, der Wind dreht endlich und läßt nach, und wir brechen auf nach Porto Conte, allerdings dürfen wir...motoren!
Porto Conte... wie viele Segler haben uns nicht schon vorgeschwärmt davon, doch wir finden es ziemlich mager, nichtssagend. Der Ankergrund ist steinig-krautig-sandig und nachdem Jürgen nach dem Anker geschnorchelt hat und mal nachgesehen hat, wie er sich eingegraben hat, beschliessen wir, daß es für eine Nacht in Ordnung geht, der Wind soll sehr schwach sein und für den nächsten Morgen planen wir unseren nächsten Kurz-Schlag nach Alghero.
Alghero - die katalanische Stadt auf Sardinien. Ja, ziemlich spanisch ist es hier und soo schön. Gleich in der Hafeneinfahrt werden wir von einem Marinero abgefangen und in die Marina di Sant Elmo gelotst. Hier liegen wir ganz schick, fast wie in einem Yachtclub. Das Personal ist sehr zuvorkommend und so lassen wir es uns nicht nehmen den Preis für den Liegeplatz zu verhandeln. Siehste, geht doch! Nachdem wir bei den Hafengebühren gespart haben, können wir doch gleich mal shoppen gehen, oder? Wer gut aufgepaßt hat, dem ist nicht entgangen, daß wir auch in 2007 schon in dieser zauberhaften Stadt zu Gast waren. Hier sind wir nach unserer Überfahrt von den Balearen gelandet! Deshalb wissen wir auch schon ganz genau wo`s langgeht! 30°C und strahlender Sonnenschein können mich nicht davon abhalten den wirklich schönen Wintermantel zu probieren. Als Jürgen dann auch noch darauf besteht, daß ich den Mantelkragen mal zuknöpfen soll, steht mir der Schweiss in den Zehensandalen. Nix wie raus aus dem Laden, natürlich mit Mantel! Bestens gerüstet für den deutschen Winter können wir nun am nächsten Tag nach Capo Mannu starten. Doch unser Schiff ist noch furchtbar schmutzig, der rote Sand aus Asinara muß erst mal runter. Jürgen schnappt sich kurzer Hand den Sicherheitsgurt und entert auf. Den Wasserschlauch binde ich ihm um den Bauch und dann geht es rauf in den Mast - immerhin 14 Meter. Von der Mastspitze aus nach unten arbeitet er sich vor und spült mit einer Engelsgeduld den Scirocco-Wüstensand von unserer Gemma herunter. Jetzt sind wir bereit für den nächsten Schlag.
Bei bedecktem Himmel und nord-westlichen Winden motoren wir in 7 Stunden nach Capo Mannu in die Cala su Pallosu. Zeitweilig können wir zur Unterstützung das Großsegel setzen, aber der Schlag wird stinklangweilig. Übrigens, was heißt eigentlich "stinklangweilig" auf italienisch? "Palloso" - und wie heißt die Bucht in der wir ankern? "Cala su Pallosu" -also "die stinklangweilige Bucht". Es ist wirklich öde um uns rum. Aufgegebene Ferienhäuser und verwahrloste Fischerhäuser säumen den Strand. Aufregung kommt auf, als 2 junge Männer mit ihrem Schlauchboot längsseits kommen, die Beiden stecken in Neopren-Tarnanzügen mit Kapuzen und am Boden ihres Bootes liegen ca. 1,50m lange Harpunen. Sie waren beim Harpunieren vorne am Riff und wollen uns Fisch verkaufen. Wir handeln uns einen herrlichen Zackenbarsch ein! Die Jungs waren echt nett und der Fisch hat wunderbar geschmeckt.
Am übernächsten Tag erst können wir weiter, der Wind war bisher zu stark. Wir können auf der 4h-Strecke doch tatsächlich 20 Minuten lang segeln und das ohne Motorengeräusch, herrlich! Nachdem wir das Capo San Marco gerundet haben, ankern wir unterhalb der phönizisch-römischen Stadt Tharros. Wir sind im Golfo di Oristano und hier ist es auch nicht toll, doch richtig ungemütlich wird es erst, als schwerer Regen und ein heftiges Gewitter über uns drüber ziehen. Jetzt müssen wir uns entscheiden, wollen wir in dieser Bucht den nahenden Mistral abwettern, oder noch vorher rüber auf die Insel San Pietro. Also auf nach San Pietro!
Vor uns liegt eine lange Tagesstrecke von 40 Seemeilen und hohen Wellen (ungefähr 4 m hoch), die der Mistral vor sich her schiebt, doch wir können 8h lang unter Genua segeln. Die komplette Strecke stecken wir in unserem schweren Ölzeug, tragen Rettungswesten und sind durch den Lifebelt mit dem Schiff verbunden, wir fühlen uns wie Kettenhunde. Vor Carloforte, dem Hauptort der Insel wird das Wasser etwas ruhiger. Ein Pilot-Boot nähert sich uns, um uns mit Handzeichen anzuzeigen, daß er das wartende dicke Frachtschiff jetzt in den gegenüberliegenden Hafen lotsen wird und wir ihm nicht in die Quere kommen sollen. Kein Problem für uns, wir steuern die Hafeneinfahrt von Carloforte an und sind schon fast zwischen den beiden Molenköpfen, da hupt uns doch die vom Festland heranheizende Fähre aus dem Weg! Unverschämtheit, wir als Segler haben es wirklich in den mächtigen Wellen nicht leicht und sollen auch noch aus dem Weg springen. Doch der Schwächere gibt nach, zumal wir schon die Knollennase des Kapitäns erkennen können! Die Marina Sifredi hat noch einen schönen Platz für uns an der Hafenpromenade, der Marinero ist sehr freundlich, begrüßt uns herzlich und weiß ganz genau, daß wir keinen leichten Segeltag hinter uns haben. Unser neuer belgischer Nachbar saust auch gleich herbei, um uns die Mooring (Grundleine im Hafen) zu reichen. Hier fühlen wir uns willkommen.
Die Insel San Pietro, mit 51 km² die viertgrößte Insel Italiens, ist mit ihren schönen kleinen Sandbuchten, den Steilhängen und Grotten von eindrucksvoller Schönheit. Bekannt ist San Pietro für den Roten Thunfisch, der hier im Mai/Juni gefangen wird. Wir packen unsere Fahrräder aus und radeln die Insel ab, Il Pulpito, Le Colonne, La Caletta, Capo Sandalo, Punta Nera... Am besten gefällt uns der Ort Carloforte mit seinen eleganten, pastellfarbenen Häusern und den schmiedeeisernen Balkongittern. Die Bevölkerung der Insel stammt aus Ligurien und das merkt man auch. Es ist hier nicht sardisch, sondern italienisch. Abends treffen sich die Leute auf der Piazza, halten ein Schwätzchen und schlecken dabei ihr Gelati. Carloforte ist sehr lebendig und wir wollen gleich gar nicht mehr weg. Tatsächlich bleiben wir eine ganze Woche, so schön ist es.
Es zieht uns wieder ans sardische Festland zurück, genauer gesagt ans Capo Spartivento, in die Cala Malfatano. Nachdem uns unterwegs wieder ein prächtiger Thunfisch an die Angel gegangen ist landen wir nach 32 Meilen endlich wieder mal in einer schönen Ankerbucht. Doch es naht schon wieder Unheil von oben. Ein Wahnsinns-Wolkenbruch läßt binnen Sekunden alles um uns herum weiß werden, wir können kein Land mehr erkennen und der Wind legt auf über 30 Knoten zu. Doch unser Bügelanker hat sich optimal im Sandgrund eingegraben und wir haben reichlich Kette gegeben. Das beruhigt uns.
2 Tage später geht es weiter ans Capo di Pula. Dort kann man die Ruinen der antiken Stadt Nora besichtigen, einer punisch-römischen Ansiedlung. Es gibt noch den Tempel der Tanit und schöne Mosaikfußböden in den Resten der Villen zu bestaunen. Auch Unterwasser sind noch Ruinenteile zu sehen. Doch was kommt? - Ein Gewitter. Noch bevor wir unser Dinghi klarmachen können macht uns das Unwetter einen nassen Strich durch die Rechnung. Ausser einer grandiosen Aussicht vom Ankerplatz auf die alten Steine hat es keine Kultur gegeben. Schade. Wir holen unseren Anker vom antiken Grund herauf und starten durch nach Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens.
Cagliari - Endlich mal wieder Großstadtluft! Schon bei Ansteuerung des großen Golfes von Cagliari (Golfo degli Angeli, Engelsgolf) merken wir, daß wir uns der Zivilisation nähern. Große Öltanker liegen hier auf Reede und warten darauf im Ölhafen von Sarròch an die Pipeline zu kommen. Gleich gegenüber liegt der große Hafen von Cagliari. Über Funk haben wir uns in der freundlichen Marina del Sole einen Platz für die nächsten 4 Tage gesichert. Bei der Einfahrt in den Hafen von Cagliari sind wir von der Größe sehr beindruckt. Wir müssen ganz ans Ende und dort sehen wir auch schon die Marina: Der Marinero lockt und winkt uns heftig; Jürgen wirft einen ersten Blick auf den uns zugedachten Parkplatz und dreht gleich wieder ab! Zu eng! Doch der Marinero meint, das reicht dicke für unsere Länge und nach der Ehrenrunde steuert Jürgen souverän in das doch recht winzige Liegeplätzchen. Geschafft, ohne die geringste Berührung flutschen wir hinein! Hier liegen wir prima, die ganze Steganlage ist zwar ein bisschen "individuell", doch der Hafenbetreiber ist sehr freundlich und zieht als erstes gleich mal einen Stadtplan raus und markiert uns alle Sehenswürdigkeiten, Lage der Supermärkte und Shipchandler, kringelt auf der Karte die Ristoranti ein, ach und zahlen? Ja zahlen können wir unseren Liegeplatz dann irgendwann, wir sollen erst mal die Stadt auskundschaften! Also machen wir uns auf die Socken, ziehen bequeme Schuhe an und marschieren los. Vorbei an der schon vom Hafen aus gut sichtbaren Kirche von Bonaria (der Madonna von Bonaria geweiht, sie ist Patronin der Seefahrer und höchste Schutzheilige von Sardinien) steuern wir die Piazza Costituzione an, doch noch bevor unsere Wadl`n sich verkrampfen entspannen wir im Cafe unterhalb der Bastione San Remy bei einem köstlichen Cappu und fühlen uns wie in einem kleinen Bistro in Paris. Bei unserem historischen Rundgang durch die Altstadt, das Castello-Viertel, sehen wir die zwei Pisanischen Türme „Torre di S. Pancrazio“ und „Torre dell’Elefante”, das Römische Amphitheater, das archäologische Museum, den Palazzo Boyl, den Dom Santa Maria di Castello, die Piazza Yenne und noch sooo viel mehr. Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit zum ausführlichen Bummel und zum Erwerb dringend benötigter Winterstiefel, schließlich sieht der neue Wintermantel mit Flip-Flops kombiniert nicht so gut aus. Dann entdecken wir Schleckermäuler noch den wunderschönen San Benedetto-Markt, wo es alle Leckereien dieser Welt gibt. Phantastische Fischstände mit Getier aus den Tiefen der Weltmeere, Fleisch, Wurst und Gemüse in allen Variationen, Obst- und Käse-Standl`n und herrlich-duftende Brotwaren. Nur die "Pferde-Metzger-Strasse" ist nichts für uns, die lassen wir links liegen. Nun, zurück zum Schiff nehmen wir dann heute lieber den Bus!
Nach 4 Tagen Cagliari setzen wir wieder die Segel und starten nach Villasimius. Die Etappe ist mit ca. 20 Meilen recht kurz und so ankern wir schon bald im klasklaren Wasser des Golfo di Carbonara. Vor dem Spiaggia del Riso läßt sich`s jetzt, immerhin ist es schon Ende September, noch wunderbar schwimmen, die Touri-Massen sind schon wieder weg und so gehört der wunderbare Dünenstrand den Strandwanderern und Naturliebhabern. Im späten Herbst suchen uns jetzt täglich Regenschauer und kurze Gewitter heim, wir sehen oft bezaubernde Regenbögen, nicht selten auch doppelte Bögen des bunten Lichtes. Manchmal wird es dann draussen auch schon ein bisschen frisch, dann ziehen wir uns in unser kuschliges Schiff zurück und backen Zwetschgendatschi (mit echten sardischen Zwetschgen!) und Brot.
Schweren Herzens nehmen wir nach ein paar Tagen mit sommerlichem Herbstwind Abschied von Villasimius, ab jetzt heißt es "Kurs Nord" und spätestens hier beginnt unsere Heimreise ins Winterlager. Wir runden das Capo Carbonara, halten uns östlich des Marinenationalparks der Isola Serpentara und segeln entlang der Costa del Rei nach Norden. In Porto Corallo bei Villaputzu machen wir noch Station, der Hafen ist sehr ordentlich und eine gute Empfehlung, doch rund rum ist nichts Interessantes und so tanken wir hier gutes Wasser in unseren 400 Liter Frischwassertank, machen einen Landspaziergang und wollen unseren Obolus für eine Nacht loswerden, doch niemand ist da, um zu kassieren. Die Dame aus dem Hafenbüro hat heute keinen Dienst, es ist wohl schon zu wenig los. Na, dann halt nicht!
Am nächsten Morgen brechen wir zeitig auf zur letzten Etappe des Segelsommers 2008: Ziel Arbatax! Vor uns kreuzt noch ein einsamer Segler, sonst haben wir das weite Meer für uns allein (wenig später lernen wir den einsamen Segler dann natürlich noch in Arbatax kennen, klar!). Kurz vor dem Capo Bellavista klingelt unser Telefonino: Unsere Freunde von der Noel rufen an und wollen wissen, wann wir endlich nach Arbatax kommen! Das ist sehr amüsant, sie lachen, als wir sagen, daß wir uns gleich zum Cappuccino in der Bar treffen, denn wir sind praktisch schon im Landeanflug, kurz vor der Hafeneinfahrt. So, nun ist`s vollbracht: Die Gemma läuft in den Hafen von Arbatax ein, die Noel-Crew winkt schon und hilft uns beim Anlegen. Die Leinen sind fest und der Törn zu Ende! Wir sind glücklich und zufrieden, daß wir das uns lieb-gewordene Arbatax nach 5 Monaten wieder erreicht haben. Der Törn ist hier zwar zu Ende, die Arbeit jedoch nicht.
Heute wollen wir unsere liebe Familie Valdès besuchen. Ihnen gehört der Cantiere, auf dem unsere Gemma wieder ihren Winterplatz finden wird. Es wird ein großes Hallo - mit strahlenden Augen und einer herzlichen Umarmung werden wir begrüßt, wir sind wieder "daheim". Und hier wartet schon unser Auto. Es hat den Sommer über hier geparkt und will gleich mal ein wenig Power in die Batterie! Nach so langer Zeit springt`s einfach nicht mehr an. Nach 2 Tagen stellt sich auch noch raus, daß die Wasserpumpe den Geist aufgegeben hat, aber das kann uns auch nicht mehr schocken. In meinem Notizbuch wimmelt es in den nächsten Tagen von Einträgen dieser Art: Dinghi abspritzen, 4 Maschinen Wäsche gewaschen, Pizza essen, Gemma abspritzen, Tanken, Ölwechsel, Ölfilterwechsel, Genua abspritzen + trocknen, Genua abschlagen + zusammenlegen, Bilge sauber machen, Vorräte sichten, Einkaufen, Groß abspritzen + trocknen + abschlagen + stauen, alle Leinen mit Süßwasser spülen, Relingsstangen von Flugrost säubern und mit Politur für den Winter versiegeln, und, und, und.......Die härteste Aktion ist das Abspritzen und Trocknen der Segel, sowie das anschließende Zusammenlegen und Verstauen des Tuchs. Allein unsere Genua hat 51 m²! Die Arbeiten wollen alle gut geplant sein, Sturm ist angesagt und es bläst mit 35 Knoten, wir schnappen uns noch eine 3. Mooring, sicher ist sicher. Zwischendurch lassen wir dann aber auch mal die Beine und die Seele baumeln, gehen ein letztes Mal schwimmen in Porto Frailis und Eis essen, treffen liebe Freunde von der Setestrelo, Jojo und Noel, diskutieren über die ein oder andere geplante Neuerung an unseren Schiffen, wandern am Steg entlang, sitzen in der Bar und machen auf "Dolce Vita".
Jetzt wird`s nochmal richtig spannend: Gemma kommt aus dem Wasser, der große Travel-Lift ist für 10.00h bestellt und pünktlich hören wir das Gepiepe des 50-Tonnen-Krans. Souverän steuert mein Käpt`n rückwärts in das schmale Becken über dem schon der Kran auf uns wartet. Die beiden Gurte spannen sich unter unserem Schiffsrumpf, die Gurtpositionen werden nochmal geprüft, alles klar? Der starke Diesel des Travel-Lifts brummt auf und unser 10-Tonnen-Schiff hebt sich aus dem Wasser. Der Rumpf wird jetzt mit Spannung begutachtet, alles sieht super aus, wir haben nur wenig Bewuchs am Unterwasserschiff, ein bisschen grüner Algenschleim und ein paar Seepocken sind mit uns mitgereist, aber der Hochdruckreiniger läßt ihnen keine Chance. Nach kurzer Reise über die Straße, durch das Werftgelände des Bohrinsel-Firma Sardamar, steht unsere Gemma nun wieder auf eigenen Beinen auf dem Cantiere.
2 Tage später packen wir unser Gepäck ins Auto und fahren über Baunei und Urzulei durch das Supramonte-Gebirge (höchster Berg ist der Monte Corrasi mit 1463m)- hier entdecken wir Wildschweinchen und Bergziegen und geniessen die weite Sicht über das Kalksteingebirge hinunter in den Golf von Orosai. Die Strasse führt uns weiter nach Dorgali und hier machen wir einen Abstecher hinunter ans Meer. Die steil abfallende Serpentinen-Strasse hinunter nach Cala Gonone ist spektakulär! Hier in Cala Gonone scheint die Sonne noch kräftig, das Meer duftet nach Tang und Salz und wir genehmigen uns ein ausgezeichnetes Mittagsmenü direkt am Meer. Doch wir müssen weiter, wir wollen unbedingt noch den Ort Posada besichtigen! Es wird ein wunderschöner Reisetag durch die unterschiedlichsten Landschaftsbilder der sardischen Westküste. Pünktlich um 21.00h fahren wir mit der Fähre von Olbia zurück ans italienische Festland. Am nächsten Morgen fahren wir durch die Toskana Richtung Brenner und sind am Nachmittag zuhause in Bayern. Der Grosse Segelsommer 2008 ist nun wirklich zu Ende.
| < vorheriger Bericht | ^ zur Törnübersicht |





