toernberichte

2008(2) - Elba, Korsika, Nordsardinien

Von Porto Azzuro geht es weiter nach Portoferraio in die ESAOM Werft. Hier lassen wir den Mischerkrümmer und Getriebeölpeilstab der Hauptmaschine auswechseln. Wir nutzen die Zeit, um wieder unsere Schaps mit frischen Vorräten zu füllen und erkunden zu Fuß die Altstadt und Zitadelle von Portoferraio. Unser Liegeplatz ist sauteuer, aber ideal gelegen, direkt unterhalb der Saccharia-Bar, der dicke Wirt versorgt uns mittags mit köstlichen Spaghetti Frutti di mare oder Krebsscheren. Beim zweiten Mal werden wir schon als Stammgäste behandelt und dürfen vorher in den Kochtopf schauen.

Nach getaner Arbeit in der Marina kreuzen wir einmal quer durch die Bucht zur Villa Ottone und legen uns vor Anker mit Blick auf die herrliche Altstadtkulisse von Portoferraio. Weiter zieht es uns Richtung Westen, in den Golfo di Viticcio, in eine wunderschöne, ruhige und - welch ein Wunder - relativ leere Bucht, umgeben von Pinienwäldern. Nach ein paar Tagen bläst uns der Wind zurück nach Portoferraio, wo wir wieder sicher und geschützt liegen. 2 Tage später umrunden wir den einsamen Westteil der Insel in einem Schlag und ankern abends im Golfo di Campo. Damit ist unsere Elba-Umrundung abgeschlossen. Am nächsten Tag um 0345 Uhr lichten wir den Anker und erleben eine herrliche, ruhige Rückfahrt nach Korsika - kein Vergleich zum Hinritt. Unterwegs sehen wir Delfine und ein Bonito hat sich bereit erklärt abends in unserer Pfanne zu schmurgeln. 70 Seemeilen und 14 Stunden später fällt der Anker wieder in Korsika, in der uns bereits vertrauten Bucht von San Ciprianu.

Törnbilder

In der Baie de San Ciprianu verbringen wir 4 Tage mit herrlichen Wanderungen durch den grossen Etang, kaufen jeden Morgen frisches Baguette und Croissants. Weiter geht es Richtung Süden in die Kultbucht von Rondinara. Hier ist es heftig, voll und laut, wir fühlen uns wie im Freibad. Uns reichts, als sich die Badenden an unsere Ankerkette hängen und zu schaukeln beginnen. Wir ankern um und gehen nach Rondinara Süd, wo wir wieder unsere Ruhe haben. Am Abend erleben wir auch noch ein herrliches Feuerwerk. Tagsdrauf starten wir nach Piantarella. Unterwegs können wir aus allernächster Nähe 2 Löschflugzeuge beim Üben beobachten, die im Tiefflug über das Meer Wasser aufnehmen und gleich darauf die Ladung Wasser wieder ausspucken. Piantarella ist ein Traum, die flache Insel ist von helltürkisem Wasser umgeben. Leider sehen wir tagsüber nichts davon, da uns Dickschiffe in Hochhausgrösse die Sicht versperren. Erst am Abend rückt die Schönheit auch in unser Blickfeld, denn die Motorbootcrews müssen zurück in den Hafen, um beim Essen und Flanieren gesehen und bewundert zu werden.

Am nächsten Morgen heisst es zurück nach Sardinien. Durch den steinigen Haufen des Naturschutzgebietes Iles Lavezzi segeln wir sehr aufmerksam und erreichen abends unsere "Lieblingsbucht" Porto Liscia. Der Juli ist im Nu vergangen und den ganzen August verstecken wir uns überwiegend in der Liscia-Bucht (Porto Pollo). Hier kann Jürgen ausgiebig surfen. Unsere Freunde von der Seatramp und iCut liegen hier auch, wir haben viel Spaß bei unseren abendlichen Schiffspartys (Wok on the Cat) und Grillpartys am Strand (mit Weissbier vom Faß) oder einfach nur beim gemütlichen Zusammensitzen zum Sonnenuntergang. Auch die ober-coolen Abende in der Chillout-Bar (mit tanzenden Mädels auf dem Dach) werden in die Geschichte eingehen!

Das Feiern wird von gelegentlichen Mistral-Einlagen unterbrochen und wenn der Windmesser 35 Knoten aus West anzeigt, dann suchen wir uns ein Schlupfloch in Cannigione oder in der Cala Saline (beide im Golf von Arzachena). In Cannigione schlägt auch Murphy bei uns zu: "Murphy", dieses schwer ergründliche Phänomen der Pleiten, Pech und Pannen-Kategorie. Bei sehr heftigem Mistral schlägt unser Dinghi mit Aussenborder um (der war natürlich gerade frisch repariert) und der Motor muß gründlich gespült und mühevoll entsalzt werden, bis er nach endlosen Startversuchen endlich wieder anspringt. Danach reißt uns der Wind die frische Wäsche von der Leine - natürlich landet sie im Salzwasser - und muß per Dinghi vor dem Absaufen gerettet werden, um dann wieder ausgewaschen zu werden. Anschließend bleibt Jürgens Zehe blutend in der Travellerschiene hängen. Zuletzt bleibt auch noch der Kopf der Klobürste im WC stecken. Dann hat sich Murphy wieder verkrümelt und wohl ein anderes Schiff heimgesucht.

Gegen Ende August wagen wir einen Tagesausflug nach Lavezzi (Marine-National-Park aus Granit-Inseln zwischen Korsika und Sardinien), in der Hoffnung, daß die Hochsaison schon am Ausklingen ist. Doch viele, viele Touristen wollen mit uns zusammen ein Stück Paradies erleben. Leider haben offensichtlich auch viele Quallen diese Trauminseln als Reiseziel entdeckt. Wir schnorcheln sehr vorsichtig um diese zauberhaften Wasser-Geschöpfe herum und an Land wagen wir uns erst am späten Nachmittag, als die Ausflügler- Karawanen wieder abgezogen sind. Dann hat man die Spazierwege durch Macchia und Granitblöcke fast für sich allein.

Am 1. September wollen wir nun unser faules Ankerliegen beenden und endlich Sardinien umrunden. Vorher verabschieden wir uns noch mit einer Weißbierparty von unseren Freunden von der Seatramp, iCut und Noel.

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