toernberichte
2007(2) - Auf den Pityusen
Formentera ist ein Traum aus türkisem Wasser, ein bisschen hippie ist es auch, doch verhältnismässig ruhig. Am Strand gibt es die coole Kneipe "Big Sur Life": hier wird reichlich gechilled und man versammelt sich (gerne in Hotpants und Cowboy-Stiefeln - bei deeer Hitze!) zum Sonnenuntergangs-Beifalls-Geklatsche am Strand.
Nach 2 Nächten in der Cala Sabina rauschen wir unter Motor in nur 1h zum Nachbarinselchen Espalmador, zwischen Ibiza und Formentera. Zusammen werden diese Inseln "Pityusen" genannt und sind landschaftlich äußerst reizvoll. Dünenlandschaften mit wildem Rosmarin, Klippen und ausgedehnten Salinen und tollen Stränden wechseln sich ab. Espalmador ist unbewohnt, aber tagsüber recht turbulent. Laut unserem Hafenhandbuch gäbe hier eine Ankerbucht, doch die Regierung hat hier Mooringbojen ausgelegt - zum Schutz des Seegrases Posidonia und aller Lebewesen, die in diesen Seegraswiesen unter Wasser leben. Die Bojen können kostenlos für 2 Nächte benutzt werden, doch man sollte sich anmelden und eine Boje für sich reservieren.
Die Strecke nach Ibiza ist kurz und unser Segelvergnügen relativ lang - wir peilen die Cala Vadella an und diese schöne Bucht ist überraschend klein und so ankern wir ziemlich nah am Fels zwischen Seglernachbarn aus Belgien und Finnland. Die wenigen Läden und Restaurants an Land sind sehr beschaulich und wir fühlen uns wohl - nur die Quallen stören das ungetrübte Badevergnügen. Die erste Nacht wir relativ ruhig, doch die 2.Nacht der Horror: unser spanischer Segelnachbar "Carambola" hat seinen Anker nicht richtig eingefahren, der Wind dreht in der Nacht auf Süd, der Schwell kommt in die Bucht und unser kleines rotes Dinghy holt sich einen Riss, läuft halb voll und so müssen wir es nachts um 3.00h in Windeseile an Bord holen, sonst säuft es mitsamt dem Aussenborder ab. In dieser Nacht machen wir beide kein Auge zu! Morgens um 8.00h laufen wir ohne Frühstück und mit lädiertem Dinghy aus. Das reicht, alles klappert, rollt und schlägt. Unterwegs machen wir einen Frühstücks- und Badestopp in der Cala Bassa und rufen im Hafen von San Antonio an, ob dort noch Platz für unsere Gemma ist, doch die wollen im Club Nautico 60 € pro Nacht kassieren, da gehen wir lieber vor Anker und zahlen nichts.
Törnbilder
San Antonio auf Ibiza ist ein guter Ankerplatz, doch an Land gibt es eine Disco an der anderen und die Supermärkte verkaufen hauptsächlich Hochprozentiges in Flaschen... und so holen wir nach 2 erholsamen Nächten den Anker auf und motoren Richtung Norden. Einen kurzen Ankerstopp legen wir unterwegs in der Cala Salada ein. Es ist eine kuschlige kleine Bucht mit 2 tollen Häusern und 2 Mini-Stränden, es gibt aber nicht viel Platz zum Ankern und als Übernachtungsplatz taugt diese Cala leider auch nicht.
Weiter gehts bis Puerto de San Miguel, hier liegen wir in einer traumhaften Bucht gut vor Anker, unser Anker steckt in weissem Sand. 3 Tage liegen wir hier und buchteln, schwimmen, machen eine 3h-Wanderung und lassen es uns sehr gut gehen. Am 4.Tag stellen wir uns den Wecker auf 5.00h, frühstücken in aller Ruhe und mit der ersten Helligkeit des Tages wollen wir nach Mallorca aufbrechen.
Jürgen startet den Motor, startet den Motor und startet nochmals den Motor, doch der will nicht anspringen...?????!!!!!! So ein Mist! Wir wollen doch los. Also, wir verschwinden erstmal im Motorraum - alles checken und am Ende doch nichts finden. Da wir so früh aufgestanden sind, müssen wir eine Weile warten, bis wir einen Mechaniker nach dem anderen anrufen können. Nach einigem Hin und Her gelingt es uns bei Nautica Sta. Eulalia einen netten Menschen aufzutreiben, der noch am gleichen Nachmittag kommen will!
Gegen Mittag schlägt das Pech leider nochmal zu. Die vergangenen Tage mit vielen Winddrehungen hatten uns des öfteren um unseren eigenen Anker gedreht und so beginnt unser Anker zu slippen, d.h. er steckt nicht mehr fest genug im Sandboden und rutscht. Normalerweise kein grösseres Problem: Motor starten und Anker hochholen und neu ankern. Aber was tun, wenn der Anlasser nicht mag und der Mechaniker erst am Nachmittag kommt? Wir slippen immer weiter Richtung Bojenfeld und können glücklicher Weise eine Leine an der Mooringboje eines kleinen alten Motorbootes befestigen. Das gefällt leider dem hektischen, spanischen Banana-Boot-Mann nicht. Der beschimpft uns, fragt gar nicht erst ob er helfen kann und sagt ganz einfach: das mußt Du zahlen! Toll! Plötzlich kommt ein Dinghy vom Nachbar-Schiff "Fulfillment" herübergedüst. Gordon fragt, ob er uns helfen kann einen 2. Anker mit dem Beiboot auszubringen und dankbar nehmen wir seine Hilfe an. Unseren Heckanker mit Gurtbandrolle hatten wir bisher noch nicht im Einsatz, aber das Teil ist Gold wert. Vielen Dank für Deine Hilfe, Gordon! Am Nachmittag erscheint dann der Yanmar-Mechaniker Antonio mit seinem Gehilfen und wir stecken zu viert die Köpfe in den Motorraum. Es ist ein Lehrstück für uns - erst mal Motor entlüften! Dieselfilter und Dieselvorfilter anschauen und feststellen, daß der Anlasser ok ist - es ist ein kleines Bläschen Luft im System! Wir tauschen bei der Gelegenheit die verbrauchten Dieselfilter und unser Motor läuft wieder! Alles ist wieder gut!
Nachdem die Überfahrt nach Mallorca sowieso schon für diesen Tag geplant und vorbereitet war und uns jetzt in dieser Bucht nichts mehr hält starten wir noch am Abend um 19.45h zu unserer Nachtfahrt nach Palma! Wir wechseln uns bei der Nachtwache wieder ab und können eine schöne lange Strecke segeln, wir müssen sogar fleissig reffen (Segelfläche verkleinern), da wir es zum Teil mit 23 Knoten Wind aus S und SW zu tun bekommen. Schon bald in den ersten Morgenstunden können wir die Lichter von Mallorca sehen und müssen fast ein bisserl "bremsen", um nicht zu früh in die Bucht von Palma einzulaufen. Wir haben nämlich noch keinen Liegeplatz und wollen in die Marina Alboran, die wochentags die freien Liegeplätze der Charterschiffe "preisgünstig" vergibt. Welch ein Glück, wir können festmachen für "nur" € 60,- pro Tag, aber wir nehmen dankbar an. Hier in Palma haben wir viel vor: neues Dinghy kaufen, die Gasprüfung für unseren Propangas-Herd abnehmen lassen und -ganz wichtig- einen riesigen Berg Wäsche waschen!
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