toernberichte
2005 - Die portugiesischen Westküste entlang bis an die Algarve
Im Sommer 2005 übernehmen wir unsere Yacht von den Voreigentümern nach einem gemeinsamen Überführungstörn von 2 ½ Wochen.
Unsere Reiseroute entlang der portugiesischen Atlantikküste beginnt in Figuera da Foz, einem kleineren Küstenort südlich von Porto. Die erste Etappe führt uns in den Hafen von Nazaré, wo wir ausgesprochen nett vom Hafenmeister empfangen werden. Auf dem Weg dorthin hatten wir eine herrliche achterliche Brise und haben gleich unseren Parasailor Spinnacker ausprobiert. Mit 6 Knoten hat er uns wie auf Schienen durch die teils hohe Dünungswelle gezogen - so macht Segeln Spass.
Törnbilder
Per Seilbahn erkunden wir die Oberstadt von Nazaré, hier geht es sehr ruhig zu und man kann den fantastischen Blick auf die Bucht und den herrlich breiten Sandstrand geniessen. Später entdecken wir in den Gassen der Unterstadt direkt gegenüber der Markthalle ein hervorragendes Lokal, in dem wir köstlich unter Einheimischen speisen. Man sitzt hier auf winzigen Bänken praktisch mitten in der Küche, doch das macht nichts aus, denn hier gibt es die besten und frischesten Amejoas (Herzmuscheln in einem Olivenöl-Koriander-Knoblauch-Sud) und die weltbeste Caldeirada (ein nicht enden wollender Fischeintopf).
Der Wind treibt uns weiter in Richtung Peniche. Hier geraten wir beim Anlegen direkt in den örtlichen Triathlon, der mitten im Hafenbecken und um die Hafenanlage herum stattfindet. Nachdem wir den Hafen für die Horden von Schwimmern freihalten müssen, werden wir halbsanft gezwungen am Steg der Seenotrettung vorübergehend festzumachen - solange bis der Wettkampf eben vorbei ist. In Peniche bleiben wir unfreiwillig länger, der Wind hat an Stärke zugenommen, wir werden regelrecht eingeweht. Aber wir halten das nur solange durch, bis uns die Restaurants keine Abwechslung mehr bieten. Hier probieren wir köstlichen "Alufisch" - richtiger Weise Degenfisch genannt - mit einer glatten, silbrig schimmernden Haut und lang wie der Degen der Musketiere.
Bei der ersten Gelegenheit starten wir nach Cascais. Vielversprechend lockt uns der tolle Ort, doch soll Cascais für uns unerreicht bleiben. Der Wind legt dramatisch zu (bis 40 Knoten) und auch die Wellen werden immer grösser (4-5 Meter), dabei zeigt uns Gemma, dass wir uns auch bei solchen Verhältnissen jederzeit sicher an Bord fühlen können. Nach einem langen Tagestrip entscheiden wir uns für ein Ankermanöver in der Bucht von Cascais, denn die Bedingungen haben es uns unmöglich gemacht in den Hafen einzulaufen. Am Ankerplatz ist es nicht wirklich gemütlich, das Wasser fliegt an uns vorbei. Doch zwei Stunden später war der Spuk vorbei und die Nacht war schliesslich schön ruhig.
Doch unser nächstes Etappenziel geniessen wir dafür reichlich - Lissabon - die Perle am Tejo entschädigt uns für alles. Unglaublich ist die Ansteuerung: der Torre de Belem, gleich danach das Denkmal für Heinrich den Seefahrer, dahinter das Hieronimus-Kloster, die Brücke des 24. April, alles nur eine Handbreit entfernt und... es gibt sie wirklich. Die Strömung schiebt uns in das Doca de Alcantara, wo wir einen guten Liegeplatz erwischen. Wir besorgen uns ein Mehrtagesticket für die klapprige Strassenbahn aus vorsintflutlichen Zeiten und geniessen Kultur pur: der Elevador de Santa Justa, das Fado Music-Festival auf der Sao Jorge-Festung, der Clube de Fado in der Alfama, der Torre de Belem, das Hieronimuskloster, die Sé. Doch scheinbar will uns diese Stadt nicht loslassen.
Am Abreisetag hüllt uns sehr dichter Nebel ein. Extrem aufmerksam - unterstützt durch unser Radar - tasten wir uns durch die neblige, feuchte Watte, den Tejo hinaus. Wir starren stundenlang ins Nichts und versuchen die Nebelhörner der Ozeanriesen zu orten, doch die grossen Brocken bleiben, Gott sei Dank, im Nebel verborgen.
Nach einem langen Segel- bzw. Motor-Tag erreichen wir Sines. Hier steht ein korpulenter Herr aus Bronze unterhalb der Kirche und schaut sehnsüchtig auf den Atlantik hinaus - Vasco da Gama wurde um 1469 in Sines geboren und wenn es damals schon diese sagenhafte Pastellaria gegeben hätte, dann wäre Vasco niemals bis Indien gekommen. Sines gefällt uns sehr - ein charmantes, kleines Nest. Hier gibt es diese typischen, kleinen Restaurants mit ihren verführerischen Leckereien. Wer sich nach soviel Fisch und Muscheln einmal ein Wildschwein (porco preto) schmecken lassen möchte ist hier richtig. Die kleinen Geschäfte in den holprigen Gassen haben eine sehr gute Auswahl und machen Lust auf Bummeln und Shoppen. Doch auch hier sagen wir bald "Adeus", wir müssen noch das Cabo Sao Vicente runden, um das Ziel unserer Reise zu erreichen: Portimão an der Algarve. Es erwartet uns eine luxuriöse, neue Marina mit allen Annehmlichkeiten und ein toller Sandstrand. Hier machen wir bis auf Weiteres Station: unsere Gemma kommt auf den Hardstanding und wir bereiten uns aufs Mittelmeer vor.
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